Kyffhäuser-Radweg


Tagestour am 19.06.2011

Ich hatte Zeit für eine Tagestour und über den Kyffhäuser-Radweg widersprüchliche Informationen erhalten. Beste Voraussetzungen, um mir selbst ein Bild von diesem Rundkurs zu machen. Die Übersichtskarte Kyffhäuser-Radweg vom regionalen Tourismusverband hatte ich schon, sie gab mir einen groben Überblick und ich entschied mich für eine Anreise mit der Deutschen Bahn über den Bahnhof Berga-Kelbra. Hier gibt es den gefühlt niedrigsten Bahnsteig, der Ausstieg aus den Zügen der Linie Halle-Kassel (Fahrradabteil direkt hinter dem Lokführerstand mit den schönen Mittelstangen und sich immer wieder selbst schließenden Türen) verursachte bei mir trotz nur leichtem Tagesgepäck etliche blaue Flecken und einen Schweißausbruch. Ob meine Antworten bei einer Befragung der Bahn während der Zugfahrt daran etwas ändern werden?

Auf einem straßenbegleitenden Radweg erreiche ich hinter der Helmebrücke Kelbra. Nach einer links-rechts-rechts Kombination und einem kleinen Anstieg erreiche ich den Weg und biege rechts ab. Hinter Kelbra ist rechts bald der Damm des Stausees zu sehen, kurze Zeit später der Eingangsbereich des Strandbades, Campingplatzes und der Gaststätte. Hier geht es links ab über eine wenig befahrene Straße in Richtung Steinthaleben. Das ist der erste steile Anstieg heute, ich werde aber mit einer schönen Aussicht belohnt.

Bahnhof Berga-Kelbra

Bahnhof Berga-Kelbra

Kelbra (Helme)

Kelbra (Helme)

Blick zum Stausee

Blick zurück zum Stausee

Landschaft Südharz

Landschaft am Kyffhäuserrand


Nach etwa 8 Kilometern erreiche ich die Barbarossahöhle. Hier werden stündlich Führungen angeboten. Die Barbarossahöhle gehört mit einer Gesamtfläche von 13.000 m² zu den großen und unbedingt sehenswerten Höhlen schlechthin.

Als Anhydrithöhle ist sie vom geologischen Standpunkt betrachtet einzigartig und sucht, Schönheit und Eigenart betreffend, ihresgleichen. Der Reiz der unterirdische Zauberwelt der Barbarossahöhle liegt im eigenwillig schönen, vielschichtigen, nahezu ungeheurem Farbenspiel weißen bis grauen Gesteins, dessen tausendfältige Formensprache zu staunender Bewunderung anregt. In der Gerberei hängen bis zu 1 m lange Gipslappen bizarr von der Decke herab und erinnern an zum Trocknen aufgehängte Felle und Häute. Die ca. 50 m mächtige Anhydritschicht ist durch tonige und dolomitische Gesteinsschichten getrennt. Überall in der Höhle ist der Wechsel von hellen und dunklen Schichten deutlich sichtbar. Bemerkenswert sind die zahlreichen kristallklaren Seen, in denen sich die interessanten Formstrukturen der einzelnen Grotten eindrucksvoll widerspiegeln. Aufgrund der starken Lichtbrechung im Wasser täuscht die Tiefe der Seen ungemein.

Neben der Natur ist die Barbarossasage ein weiteres Highlight. Der alte Stauferkaiser Friedrich I, Barbarossa, ist durch einen geheimnisvollen Zauber in ein unterirdisches Schloß im Kyffhäuser versetzt worden. Dort sitzt er schlafend auf einem Stuhl von Elfenbein an einem großen, runden Tisch aus Marmorstein, den Kopf in die Hände gestützt. Sein roter Bart leuchtet wie Feuersglut und ist durch den Tisch hindurch bis auf die Füße, ja sogar fast um den ganzen Tisch gewachsen. Alle hundert Jahre erwacht der Kaiser aus seinem tiefen Schlaf, bewegt sein Haupt und blinzelt mit den Augen. So winkt er dem treuen Zwerg Alberich zu, bittet ihn hinaufzugehen und nachzuschauen, ob die Raben noch um den Berg fliegen und krächzen. Ist dies der Fall, wird der Kaiser traurig und murmelt in seinen Bart, dass er noch hundert Jahre würde warten müssen, um zur Welt zurückzukehren, um Frieden und Einheit zu stiften. So schließt er seufzend die Augen und schläft abermals hundert Jahre. Erst wenn der Bart ganz um den runden Marmortisch gewachsen ist, wird das Warten ein Ende haben, wird sich ein stolzer Adler in die Lüfte emporschwingen und die Raben vertreiben. Dann erwacht der Kaiser mit seinen gleichfalls verzauberten Getreuen, steigt zur Welt in seine Pfalz hinauf und wird allenthalben Ordnung schaffen.

Nach der einstündigen Führung kann man sich im Biergarten stärken.

Gipslappen

Gipslappen hängen von der Wand

Schichtung

Schichtung

unterirdische See

Farbenspiel im See

Barbarossa Thron

Thron und Krone von Barbarossa

Barbarossa vor dem Eingang

Barbarossa vor dem Eingang

Gaststätte und Eingang

Gaststätte und Eingang


Entlang der Wipper (den Damm halte ich zuerst für einen Bahndamm) an der Wippermühle vorbei geht es über einen schmalen Grasweg in Richtung Bad Frankenhausen. Ein idyllischer Weg, schade dass noch keine Lösung für eine Qualitätsverbesserung durch die beteiligten Stellen gefunden wurde. Am Ortseingang von Bad Frankenhausen werde ich auf die MTB-Strecke aufmerksam, als Tourenradler nutze ich jedoch die offizielle Route auf der Straße.

Hier findet man auch einen Hinweis auf eine nicht ganz übliche Rettungsaktion. Der Kirchturm der Oberkirche hat mittlerweile eine stärkere Neigung (4,45 m) als der schiefe Turm von Pisa. Sollte dieses Jahr nicht die benötigte Summe zur Rettung des Kirchturmes zusammenkommen, will der Eigentümer den Kirchturm der Oberkirche abreißen. Unter www.der-schiefe-turm.de gibt es weitere Informationen zu der Spendenaktion.

Im Kurpark schaue ich den Salzsiedern bei der Arbeit zu. Das dort produzierte Salz kann man dort erwerben. Den Aufstieg zum Panorama-Museum erspare ich mir. Den Abzweig findet man kurz bevor man den Ort verlässt auf der linken Seite.

Wipperdamm

Wipperdamm

Wippermühle

Wippermühle

Wiesenweg an der Wipper

Wiesenweg an der Wipper

Beginn der MTB-Strecke

Beginn der MTB-Strecke

Oberkirche Bad Frankenhausen

schiefe Oberkirche in Bad Frankenhausen

Salzsieder bei der Arbeit

Salzsieder bei der Arbeit


Kurz hinter Bad Frankenhausen geht es leicht bergan und nach einer Linkskurve habe ich einen schönen Blick auf die Stadt. Nun erreiche ich den Aeroclub Bad Frankenhausen, ein Kaffee in der Trudelklause ist zwar verlockend, aber aufziehende dunkle Regenwolken lassen mich dann doch lieber weiterfahren.

Immer am Kyffhäuser entlang (links der Berg, rechts das "weite" Land mit Blick bis zur Hainleite) erreiche ich nach einem kräftigen Anstieg Udersleben. In Udersleben steht eine kuriose Rarität am Wegesrand: der längste Besen der Welt mit 35 m wiegt 3,8 Tonnen und wurde in 425 Stunden vom "Besenbinder" Klaus Hoffmann und der Burschenschaft anläßlich des 15-jährigen Bestehens des Lindenblütenfestes 2010 hergestellt.

In Ichstedt gibt es eine ausgebaute und beschilderte etwa 10 km lange Verbindung nach Arten / Schönfeld zum Unstrut-Radweg. Hinter Ichstedt steigt der Weg bis zur Landesgrenze wieder stetig an, dafür entschädigt aber der herrliche Blick auf das Kyffhäuser-Denkmal.

Panoramamuseum

Blick zurück zum Panoramamuseum

Besen mit 35 Metern

Besen mit 35 Metern

Wegweiser

Wegweiser am Abzweig

Rastplatz am Melmensee

Rastplatz am Melmensee

Kyffhäuserdenkmal

Kyffhäuserdenkmal

Kyffhäuserdenkmal

Kyffhäuserdenkmal

An der Landesgrenze zwischen Thüringen und sachsen-Anhalt wird der Weg zwar wieder flacher, aber die Wegequalität deutlich schlechter. Hier wird die Trasse des (ehemaligen) Harzvorland-Radweges genutzt (dieses Radwegeprojekt wird wohl nicht weiter verfolgt, man merkt es). Der Radweg ist offensichtlich auf einer alten Bahntrasse gebaut, ohne die Schwellen zu entfernen. Eine sehr holprige Angelegenheit. Die Königspfalz Tilleda ist leider nicht ausgeschildert und da die Wolken weiterhin drohen, verzichte ich auf eine Suche. Über Sittendorf (der Weg ist noch nicht besser geworden) erreiche ich nach 37 km und 241 Höhenmetern den Ausgangspunkt in Kelbra.

Der Radweg ist vollständig beschildert, kleine Hinweisschilder und Aufkleber sind die ideale Ergänzung und lassen jeden Zweifel über den richtigen Abzweig verfliegen. Die Übersichtskarte Kyffhäuser-Radweg sollte trotzdem nicht fehlen. Bis auf den Weg Landesgrenze-Kelbra in Sachsen-Anhalt und auf das Stück vor Bad Frankenhausen ist der Weg sehr gut ausgebaut und nutzbar. Landschaftlich finde ich den Radweg sehr reizvoll, die Angebote der Barabrossahöhle oder in Bad Frankenhausen lassen auch eine abwechslungsreiche Rast gestalten.

Oliver Demian, 19.06.2011